Mein kleiner Tiger und Ich

Mein erstes Abenteuer

Erlauben Sie, dass ich mich ihnen kurz vorstelle. Ich bin Maunzi, Schleich, Mauni, Tierilirie oder wie es sonst meiner Familie gerade beliebt mich zu nennen. Sie werden anscheinend nicht müde, sich immer neue Spitznamen für mich auszudenken. Mir macht das nichts, ich weiß ja, wer gemeint ist - sollen sie mal machen

Weswegen ich diesen Text verfasse? Ich möchte ein wenig aus meinem Katzenleben berichten und wie es mir bei meinen Leuten so ergangen ist.

Geholt wurde ich als ganz kleines Kätzchen…ich kann mich kaum noch dran erinnern. Aber anscheinend war ich süß (sagt Lotti immer). Ich sehe aus, wie meine Mama. Sie war auch getigert und hatte dieselbe hohe Stimme wie ich. Schade, dass ich sie kaum kennenlernen durfte. Aber so ist das nun mal bei Katzen. Eigentlich macht es uns ja auch nichts aus, denn wir sind eher Einzelgänger und müssen nicht die ganze Zeit in Gesellschaft sein.

Mein erstes Erlebnis, an das ich mich bewusst erinnere, war der Tag, an dem meine Familie mich das erste Mal raus gelassen hat. Wir haben einen riesengroßen Garten - ein Paradies für eine Katze! Ich war natürlich sehr neugierig, schließlich hatte ich noch nie echtes Gras unter meinen Pfötchen gespürt, noch nie die Natur so unmittelbar erlebt. Ich stromerte ein wenig im Garten herum, lauerte hinter hohem Gras, kauerte mich in die kleinsten Winkel…und dann tauchte ein großer Apfelbaum vor mir auf! Natürlich fühlte ich mich wie ein großer Abenteurer auf Entdeckungstour und da durfte die Besteigung dieses mächtigen Baumes nicht fehlen! Ich fuhr also meine Krallen aus, nahm Anlauf und schaffte es tatsächlich beim dritten Mal bis zur ersten Astgabel Mann, war ich stolz auf mich! Und wie interessant es hier oben war! Es gab allerhand zu beschnuppern und der Ausblick war herrlich! Man fühlt sich ein bisschen wie der König der Welt Katzen sind ja schließlich auch die kleine Ausgabe des Königs der Tiere, dem Löwen…zumindest so ein kleines bisschen Eine ganze Weile brachte ich dort oben in meinem Baum zu und übermütig stieg ich immer höher hinauf! Ich hörte meine Familie unten nach mir rufen. Anscheinend suchten sie mich und machten sich Sorgen, schließlich war ich ja das erste Mal draußen und auch noch ziemlich klein. Trotzdem - ich hatte gerade keine Lust, mich auf meiner Entdeckungsreise stören zu lassen.

Aber langsam merkte ich, wie es anfing zu dämmern. Der Abend zog herauf. Ich beobachtete, wie meine Familie sich unter die Weinlaube setzte, um zu Abend zu essen. Die Suche hatten sie wohl vorübergehend eingestellt. Allmählich wurde mir etwas mulmig und ich fragte mich, wie ich eigentlich wieder herunter kommen sollte, von diesem Baum. Von oben sah es doch ziemlich hoch aus. Ich kletterte vorsichtig herunter bis zur ersten Astgabel. Aber da saß ich dann und der Erdboden schien trotzdem noch meilenweit entfernt zu sein. Ich begann kläglich zu miauen. Vielleicht konnte mich meine Familie ja retten. Leider waren sie so weit weg, dass sie mich nicht hörten. Mit angsterfüllten Augen saß ich im Baum und miaute immer lauter und anhaltender! Endlich wurde Jürgen aufmerksam. Er holte eine Taschenlampe - mittlerweile war es stockdunkel geworden. Die Familie begab sich wieder auf die Suche nach mir und ich miaute nach Leibeskräften!

Endlich kam der Lichtschein näher und als sie mich im Baum sitzen sahen, waren sie überglücklich! Sie holten eine Leiter und ich wurde auf Jürgens Arme hinuntergetragen. Ein bisschen unangenehm war mir das ja schon, als Katze. Aber zum Glück hatte es ja niemand außer meiner Familie gesehen.

Ich war heilfroh, mich an diesem Abend zu Lotti ins warme und weiche Bett kuscheln zu dürfen!

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