Mein kleiner Tiger und Ich

Als ich klein war…

Meine ersten Erinnerungen…ich könnte nicht mit Gewissheit sagen, welche meine früheste Erinnerung ist. An was ich mich an früher erinnere, sind eher Gefühle, die ich in einer bestimmten Situation hatte. Oder auch Momentausschnitte. Das heißt, man erinnert sich nicht mehr an einen kompletten Zusammenhang, nicht mehr an das Vorher und Nachher, sondern nur noch an einen speziellen Augenblick. Ich glaube, so funktioniert das Gedächtnis im Übrigen hauptsächlich. Bestehen bleiben bestimmte Situationen, die einem wichtig waren, Situationen, die ein bestimmtes Gefühl ausgelöst haben. Ein Moment besonderer Freude, Trauer oder Angst.

So kann ich mich erinnern, dass meine Mutter mit mir Wohnungen gesucht hat. Ich war noch nicht im Kindergarten und natürlich erfasste ich bei weitem noch nicht die Hintergründe oder Umstände, warum wir bestimmte Dinge taten oder nicht taten. Wirklich erinnern kann ich mich persönlich nur daran, dass wir ein komisches muffiges Treppenhaus hochgelaufen sind. Wir kamen in eine Wohnung hinein, in der es abgestanden und ebenfalls muffig roch. Die Möbel waren alt, dunkel und schwer. Sie wirkten erdrückend auf mich und ich hatte sofort eine Abneigung gegen diese Umgebung. Ein altes Ehepaar begrüßte uns. Ich weiß nicht mehr wie sie aussahen, noch, ob sie mir eigentlich sympathisch waren oder nicht. Aber als ich in das Wohnzimmer hineinkam und einen Nussknacker im Regal stehen sah, war es vorbei. Ich wollte nur noch raus aus dieser Wohnung. Die Wohnung hatte bei mir keine Chance mehr.

Ebenfalls erinnere ich mich an eine Nacht. Wir wohnten in Köln - meine Mutter und ich - in einem Messezimmer von http://www.wimdu.de. Mein Vater war zu Besuch und blieb über Nacht bei uns. Es war das erste und einzige Mal, dass ich mich erinnern kann, dass meine Eltern zusammen in einer Wohnung übernachtet haben. Sie haben sich getrennt, als ich noch sehr klein war. Ich kann mich nicht mehr an die Zeit erinnern, als sie noch zusammen waren. Ich weiß nicht warum, aber ich habe fast die ganze Nacht durch geschrien. Vielleicht, weil ich es genossen habe, dass sich daraufhin beide meiner Elternteile um mich gekümmert haben. Sie saßen zusammen an meinem Bett und haben mir Geschichten erzählt. Sie waren für einen Augenblick vereint in der Sorge um ihr kleines Mädchen. Unbewusst muss ich das gespürt haben. Ich wusste, dass es für uns alle ein Ausnahmezustand war. Auch wenn ich damals natürlich nicht die Hintergründe durchschaut habe.

Ich erinnere mich daran, dass ich es als Kindergartenkind schon gehasst habe, mit dem Rücken zu einer großen Fensterscheibe zu sitzen. Vor allem wenn es draußen dunkel war. Dann hatte ich einen permanenten Zwang mich umzudrehen und mich zu vergewissern, dass dort niemand war, der hereinschauen konnte. Ich empfand die dunkle Scheibe als Bedrohung, als eine ungewisse Welt, der ich nicht beikam, weil ich im Dunkeln nicht sehen konnte.

Ich erinnere mich, dass ich als Kind sehr schüchtern war. So schüchtern, dass ich mich nicht traute, ein neues Eis zu kaufen, als ich meins versehentlich fallen ließ. Mein Vater gab mir Geld, aber trotz schreien und weinen, habe ich ihn nicht dazu gebracht, mir ein neues zu kaufen. Er meinte, ich wäre groß genug, das selber zu können. Ich tat es nicht, lieber verzichtete ich auf mein Eis.

Ich erinnere mich mit meinem Opa auf dem Fahrrad mitgefahren zu sein. Es gab einen sehr alten Kindersitz, den man vorne an den Lenker montierte. Ich muss noch sehr klein gewesen sein. Mein Opa fuhr mit mir durch die Karlsruher Grünanlagen und jedesmal, wenn wir an einem Holunderbusch vorbeikamen, sagte er auf die ihm typische Art: "Holuuunder". So wurde der Holunderbusch die erste Pflanze, die ich bestimmen konnte.

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