Aus dem Leben
Vielleicht fühlen sich depressive Menschen so: völlig kraftlos, antriebslos, man weiß nicht, wohin, man weiß nicht wofür, man hat keine Lust mehr, nichts macht noch Spaß. Ja, es wird selbst anstrengend, die Finger über die Tastatur zu bewegen. Man möchte jeden Moment aufhören…aber dann? Stundenlanges auf dem Bett liegen ist sicherlich nicht die Alternative. Aber um sich abzulenken, fehlt es wiederum an Kraft.
Vielleicht braucht man in solchen Stunden wirklich Menschen, die einen mitreißen, die es nicht dulden, dass man sich hängen lässt und stundenlang nur an die Wände starrt. Aber was ist, wenn in solchen Situationen nicht diese Menschen in der Nähe sind, die einen aus dem Tief herausziehen könnten? Wie kann man selbst die Kraft finden, weiterzumachen?
Was, wenn man sich zu alleine fühlt, wenn man nichts sieht, wofür es sich lohnen würde, diese Kraft aufzuwenden. Wenn man den Sinn hinter all dem Geschehen nicht mehr sieht?
Aber man kann sie aufbringen, diese Kraft. Es ist nicht einfach, aber im Grunde seines Herzens weiß man, dass auch wieder bessere Zeiten kommen werden, dass man wieder neuen Lebensmut schöpfen kann, dass man irgendwann auch wieder glücklich wird. Der Weg dahin scheint manchmal schwer, ja unüberwindbar, aber man hat keine Wahl, als ihn zu gehen. So schwer das auch fallen mag.
Meine Gedanken schweifen immer wieder ab, während ich diesen Text schreibe. Ich denke an die schönen Zeiten mit meinem Freund, die wir gemeinsam hatten. Und dann denke ich an unsere zahllosen Streits und frage mich, warum das sein muss. Warum er so ist, dass er immer wieder einen Streit vom Zaun brechen muss - und das in den unmöglichsten Situationen. Ich weiß, dass wir beide darunter leiden, aber ich weiß nicht, wie wir etwas daran ändern könnten. Vielleicht wäre der einzige Weg sich zu trennen, sich einzugestehen, dass es keinen Sinn mehr macht, sich gegenseitig immer weiter zu bekriegen. Aber was ich nicht weiß ist, wie ich danach wieder von vorne anfangen soll, wie ich mit der erneuten Enttäuschung umgehen soll. Es hat so lange gedauert, bis ich mich diesmal auf etwas Neues einlassen konnte. Wie wird es das nächste Mal sein? Wie oft muss man solche Niederlagen erleiden, bis man jemanden gefunden hat, mit dem man sein Leben verbringen will? Lohnt es sich überhaupt weiterzusuchen? "Liebe, als seiest Du nie verletzt worden." Wie soll das gehen, wenn man die permanenten Verletzungen immer wieder ertragen muss. Wie soll es gehen, wenn man schon lange nicht mehr die Kraft in sich verspürt, wieder auf die Suche zu gehen. In meinem Leben als Single ging es mir besser, es war keine Achterbahn der Gefühle, die ich langsam nicht mehr im Stande bin zu ertragen.
Leider muss man alle Erfahrungen im Leben selbst machen. Es wird nichts beschönigt, es bleibt einem nichts erspart. Es gilt auszuhalten und das Leben dann zu genießen, wenn sich einem die Gelegenheit dazu bietet. Und wenn ich nicht gerade alles so negativ sehen würde, dann würde ich wohl zugeben, dass es mehr als genug solcher Gelegenheiten gibt.