Hommage an eine Katze
Ich habe mich verliebt! Sie ist charmant, temperamentvoll, unabhängig und zärtlich. Immer gepflegt mit sorgfältig manikürten, glänzenden langen Nägeln. Sie trägt echten fuchsfarbenen Pelz, passend zu ihren geheimnisvollen grünen Augen. Ich spreche von der Katze, mit der ich diesen Lebensabschnitt teilen will. Sie schlich sich in mein Herz auf leisen Pfoten und ich genieße ihre unaufdringliche Gesellschaft. Und wie mir scheint, beruht das ganz auf Gegenseitigkeit.
Wenn ich morgens aufwache, sitzt sie an meinem Bett und guckt mich intensiv an. Ob sie fürchtet, ich würde nicht wieder erwachen? Schwer zu sagen, was in ihr vorgeht. Aber Hunger hat sie morgens, das gibt sie auch mit kleinen Maunzern klar zu erkennen. Und wie ihr das Futter schmeckt! Danach ist Morgentoilette angesagt. Das Fell wird von ihr ausgiebig gewaschen und mit der rauen Zunge gestriegelt. Danach ist Madame fertig. Das dauert mindestens so lange, wie ich im Badezimmer brauche. Im Gegensatz zu mir ist sie jedoch von der lästigen Frage der Kleiderwahl befreit. Sie trägt einfach Pelz.
Den Tag verbringt sie mit Ausruhen, während ich für das "Mäuse machen" zuständig bin. Tja, die Welt ist ungerecht! Aber wenn ich abends heimkomme, werde ich dafür stilvoll begrüßt. Mit freundlichem Köpfchengeben und deutlich hörbarem Schnurren freut sie sich, dass ihr Mitbewohner wieder auftaucht. Und beim Fernsehen liegt sie schnurrend neben mir auf dem Sofa und schaut ab und zu interessiert auf den Bildschirm, als würde sie den Film verfolgen. Gelegentlich fordert sie mich auch zum Spielen auf. Dann hascht sie nach einem Schnürsenkelende an meinem Schuh oder nach der Troddel am Sofakissen. Sie fängt und frisst begeistert Kartoffelchips, die ich ihr über das Parkett schnippe. Sie sitzt auch mit mir am PC und verfolgt den Cursor auf dem Monitor. So haben wir beide unseren Spaß.
Mit dem Urlaub muss ich mir allerdings jetzt was einfallen lassen. Ich kann meine kleine Freundin doch nicht einfach hier alleine lassen. Ich möchte sie gerne mitnehmen. Das Mitfahren im Auto ist kein Problem, das haben wir schon trainiert. In ihrem großen Katzenkörbchen bleibt sie ruhig und gelassen. Für den Urlaub werde ich mir nicht gerade eine Ferienwohung in strandnähe in Barcelona aussuchen. So eine weite Fahrt würde uns nur strapazieren. Aber bis zu Freunden nach Frankreich hält sie locker durch. Also werde ich über wimdu nach netten netten Apartments in Prag suchen. Bei meiner Buchungsvoranfrage kann ich mich dann auch gleich direkt beim Vermieter erkundigen, ob Madame erlaubt ist. Ich bin sicher, der Urlaub in Frankreich wird ihr besser gefallen, als hier zu Hause eine Notversorgung.
Das Zimmer im Hostel hat den Vorteil, dass ich meinen Freunden nicht zur Last falle. Ab und zu brauchen ich und meine Madame einen Moment der Ruhe und Zweisamkeit, eben ganz persönlich für uns. Und das haben wir in dem eigenen Raum dann eher. In Paris gibt es so viel zu sehen, da kann ich auch einiges alleine unternehmen. Und abends gehe ich mit meinen Freunden lecker essen im Quartier Latin. In diesen Zeiten ruht Madame im offenen Katzenkorb, wie sie es auch bei uns zu Hause macht. Katzen sind ja eigentlich Einzelgänger, aber sie lieben auch die menschliche Gesellschaft, daran besteht kein Zweifel.
So hat sich alles wirklich wunderbar gefügt, seitdem die pelzige Schönheit bei mir wohnt. Ich freue mich über ihre Gesellschaft und ihre Zutraulichkeit. Ihre Ruhe und Gelassenheit und ihre graziöse Schönheit wirken richtig gut auf meine Seele. Wir lassen uns gegenseitig unser eigenes Leben und sind doch nicht alleine. Sie ist nicht aufdringlich, aber wenn sie möchte, sucht sie einfach meine Nähe. Jetzt hat sie es sich gerade auf meinem Pariser Stadtplan bequem gemacht. Ob sie für Paris etwa heimlich eigene Touren plant?